AK Schmidgaden

Schmidgadener Weiher

Schmidgadener Weiher (1,4 MiB)

Die Geschichte des Bergbaus in der Gemeinde Schmidgaden

Überblick
Bergbau spielte in der jüngeren Geschichte Schmidgadens eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Leben. Ob es sich um die Tagebaue der Gruben „Buchtal“ oder „Hartenricht“ oder um die in den angrenzenden Ortschaften liegenden Untertagebaue Grube „Cäcilia“, „Erika“, „Hermine“ oder weitere Gruben in der Region handelt, überall waren Bergleute aus Schmidgaden in Arbeit und verdienten ihr „Brot“ oft unter schwierigsten Bedingungen, die nach heutigen Maßstäben nicht mehr vorstellbar sind. Dieser Artikel soll einen Überblick über den Bergbau in Schmidgaden im Zeitraum Ende 19. Jahrhundert bis in die 70 er Jahre des 20. Jahrhunderts vermitteln. Gefördert und weiterverarbeitet wurden in der jüngeren Geschichte Braunkohle, Ton, Lehm und Flussspat.

  • Braunkohle diente als Primärenergieträger trotz geringer Qualität. Die Lebensbedingungen waren in jenen Zeiten häufig sehr dürftig und man musste nehmen was zur Verfügung stand.
  • Ton und Lehm wurden zu wichtigen Rohstoffen für die Schamotte- und später für die Baukeramikindustrie (Buchtal).
  • Flussspat ist ein wichtiger Rohstoff u.a. für die Metallurgie, Glasherstellung und chemische Industrie. Nach der Schließung der Gruben in unserer Region wird Flussspat heute hauptsächlich in Mexiko, China, Indien und Afrika gewonnen.

Ob Bergbau bereits im Mittelalter in Schmidgaden betrieben wurde, entzieht sich der Kenntnis des Autors. Es gibt einen Hinweis von Helga Wisneth auf den „Venetianer-Schacht“ bei Lissenthan, in dem bereits um 1500 vermutlich nach Silber geschürft wurde. Hierzu gibt es einen Artikel von Berthold Weber, Weiden, im Internet: http://www.vfmg-weiden.de/venez.htm
Das Thema wäre sicherlich ein interessantes Forschungsprojekt. Die Oberpfalz wird ja bekanntlich als das Ruhrgebiet des Mittelalters bezeichnet. Zeitdokumente belegen jedenfalls, dass es bereits im 15. Jahrhundert Bergbau in Wölsendorf gegeben hat. Von der wirtschaftlichen Bedeutung und von der Dauer der bergbaulichen Förderung her gab es kleinere Betriebe, wie den „Reichart-Schacht“ oder kleinere Gruben im Lissenthaner Gebiet (Giesela, Helene) sowie einen kleinen Untertagebau am „Hartenrichter-Berg an der Schimmelwiese“.
Im „Reichart-Schacht“ begann die Familie Reichart Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bergbau untertage. Gewonnen wurde hier wie auch in den größeren Gruben des Nabburger / Stullner Reviers Flussspat. Heute befindet sich am Standort das Oberpfälzer Flussspat-
Besucherbergwerk / Bergbaumuseum. Zur Geschichte des „Reichart-Schachts“ sei verwiesen auf http://www.reichhart-schacht.de/rs-neu/geschichte/geschichte.htm
Die Untertagegruben des Nabburger / Stullner Reviers besaßen in ihrer Blütezeit, etwa Anfang der 1930 er Jahre bis Mitte der 1970 er Jahre, für die weltweite Flussspat-Förderung eine herausragende Bedeutung. Bis zu 10% der Weltjahresproduktion wurden von bis zu 1000 Bergleuten gefördert. Nach Erschöpfung der Lagerstätten wurde der Bergbaubetrieb nach und nach eingestellt, als letzte schloss die Grube „Hermine“ im Jahr 1987. Mehr zur Grube „Hermine“ am Ende des Artikels. In Hartenricht versuchte die Firma Buchtal Feldspat zu fördern, der als Rohstoff für die eigene Produktion gebraucht wurde. Der Betrieb wurde aber bereits nach kurzer Zeit nach einem tödlichen Unfall aber wohl auch wegen Unrentabilität aufgegeben.

Eine interessante Frage ist, wie kamen die Bodenschätze in unsere Region?

Entstehung
Während die Braunkohlevorkommen und Tonvorkommen aus den Sedimenten der abgetragenen Gebirge entstanden sind, durchziehen die Flussspatgänge direkt das Grundgestein. Im Rahmen tektonischer Ereignisse bei den großen Gebirgsbildungen Mitteleuropas entstand ein großräumiges Spaltensystem, das ganz Ostbayern in nordwestlicher/südöstlicher Richtung durchzieht. Bekannt wurde diese Formation als der “Bayerische Pfahl“, der besonders um Viechtach bizarr aus dem Urgestein herausgewittert ist. An den nordwestlichen Ausläufern dieses Spaltensystems bildeten sich durch hydrothermale Vorgänge unsere Flussspatlagerstätten. Bei Anwendung verschiedener Messverfahren haben die Geologen für diese Flussspatgänge ein Alter von ca. 295-240 Millionen Jahre ermittelt. An den Wänden dieser Spalten setzten sich bei der Abkühlung heißer und stark mineralhaltiger Lösungen über Jahrmillionen die Mineralien ab, die später zu einem Aufblühen des Bergbaues in unserer Region führen sollten. Häufig sind die Gangverläufe unterbrochen und gegeneinander verschoben. Diese gestörten Gangquerschnitte zeugen von starken Bewegungen und Verschiebungen des Grundgebirges über Jahrmillionen hinweg auch in unserer so erdbebensicher scheinenden Heimat.

Quelle: Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf 26./27. Band 2015/2016 Adrian Lang, Schwarzenfeld

Die Braunkohle - Zeit
Die Anfänge gehen zurück bis ins späte 19. Jahrhundert, wobei zunächst die Förderung von Braunkohle das Ziel war. Die „Vereinigte Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld“ betrieb die Tagebaue, sowie ab 1895 in Schwarzenfeld eine Brikettfabrik zur Weiterverarbeitung. Erstmals wurde das Bergwerkseigentum an den im Bereich Schwarzenfeld liegenden Braunkohlefeldern am 12. November 1878 an den Rentier Friedrich-Wilhelm Copelle aus Dortmund verliehen. Das Gesamtgebiet umfaßte rund 600 ha mit den Braunkohle-Vorkommen in Schwarzenfeld, Weiding, Alfalter, Pretzabruck und Schmidgaden.
Quelle: Buchtal Chronik Band I

Die Geschichte der Vereinigten Gewerkschaft war sehr wechselvoll und nicht immer mit unternehmerischen Erfolg gesegnet. Die etwa 60 Jahre dauernde Phase des Bestehens des Unternehmens waren geprägt von vielen negativen Einflüssen, wie mangelnde Qualität der Kohle, schlechter Absatz, Erschöpfung von Lagerstätten, erfolglose Neuerschließungen, Kapitalknappheit und vieles mehr. Es kam auch zu Grubenbränden. All dies führte dazu, dass der Betrieb zeitweise eingestellt werden musste. Man muss natürlich auch die „schlechten Zeiten“ in dieser Epoche berücksichtigen. Erinnert sei an den Ersten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, Inflation Anfang der 1920 er Jahre, Weltwirtschaftskrise Ende der 1920 er Jahre. Nach und nach verlor sich das Interesse an der Kohleförderung, die dann auf dem Höhepunkt der Inflation Ende 1923 ganz eingestellt wurde.

Kohleförderung:
„Unter den feuerfesten Rohstoffen liegt Braunkohle in einer Mächtigkeit von etwa 12 m, die wir zur Erzeugung unserer Kraft benötigen, wobei der abfallende Dampf zur Heizung der Trockenanlagen, Betriebs- und Büroräume verwandt wird. Nach Fertigstellung der projektierten Brikettfabrik werden wir auch unseren Bedarf an Generatoren-Brikett und an Hausbrand für die Gefolgschaft selber decken. Der Abraumton wird mit Baggern gewonnen und zum Aufbereitungsgebäude der Dachziegelfabrik befördert. Soweit diese den Rohstoff nicht aufnehmen kann, wird er zur Verwendung für spätere Jahrzehnte auf Halde gekippt. Der gewonnene feuerfeste Rohstoff wandert zum größten Teil in die Rohschamottebrennanlage, der Rest auf das Bindetonlager. Die geförderte Braunkohle dient zur Deckung des Bedarfs unserer Kraftzentrale (Wolf-Lokomobilen).“
Quelle: Rudolf Deml Buchtal Archiv

Eine kurze Renaissance erlebte der Braunkohleabbau mit der Entstehung Buchtals und nach dem Zweiten Weltkrieg, als Kohle für das Buchtal-Kraftwerk und sicher auch für den privaten Heizbedarf gebraucht wurde. Die Firmen Kunz und Thomas – beide mit Sitz in Amberg – waren in jener Zeit mit dem Abbau der Rohstoffe (Kohle, Ton, Lehm) eingebunden. Hier fanden Einheimische und Heimatvertriebene Arbeit in den Gruben und viele kamen später in Buchtal unter.

Natürlich musste auch für das leibliche Wohl der Arbeiter gesorgt werden. Im Röhl-Haus (Standort: Heutiges Anwesen von Irene Neidl, Hauptstraße 39) gab es eine Kantine, die von den Eheleuten Karl und Veronika Röhl betrieben wurde. Am Arbeitsplatz und in der Kantine traf man sich und pflegte auch geselliges Zusammensein. So fanden u.a. Tanzabende mit der Dorfbevölkerung statt. Damals entstand folgendes Lied (nach der Melodie – Nordsee-Wellen).

Die Ton – Zeit: - Gruben „Buchtal“ und „Hartenricht“
Der Bergbau in den Gruben „Buchtal“ und „Hartenricht“ ist eng verbunden mit dem ortsansässigen Baukeramik-Unternehmen Buchtal, heute Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG. Nach dem Ende der Kohleförderung um 1923 wandte man sich der Ausbeutung der Tonvorkommen zu, die vermutlich zu Zeiten des Kohleabbaus weitgehend ungenutzt auf der Abraumhalde landeten. Es gab zwar in den 1920 er und 1930 er Jahren Versuche den Abraum zur Herstellung von Ziegeln zu nutzen, aber diesen Aktivitäten war kein wirtschaftlicher Erfolg auf Dauer beschieden. Auf die hochwertigen Tonvorkommen wurde etwa Mitte der 1930 er Jahre das Annawerk, Rödenthal, aufmerksam, u.a. ein Hersteller von feuerfesten Material für die Stahlindustrie. Mehrheitsgesellschafter des Annawerks war der Unternehmer Jacob Cremer, dessen Sohn Dr. Gottfried Cremer nach seiner Bestellung zum Repräsentanten auf die weitere Entwicklung der Tongruben entscheidenden Einfluss nahm. Am 22. Juni 1937 wurde der Kaufvertrag beim Justizrat Hermann Flatten in Köln vollzogen und gleichzeitig Dr. Gottfried Cremer zum Repräsentanten der Gewerkschaft bestellt. So verpflanzte 1937 das Geschick Dr. Cremer als den verantwortlichen Leiter der „Vereinigte Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld“ in die Oberpfalz. Damit begann auch die eigentliche Geschichte Buchtals.
Quelle: Buchtal Chronik Band I
Man kann diese notarielle Beurkundung sicherlich als Geburtsstunde „Buchtals“ bezeichnen, wie der obige Chronikauszug belegt. Die Anfänge Buchtals fielen in die unheilvollen Jahre des Nationalsozialismus. Die Verantwortlichen des Unternehmens waren dem Einfluss der Machthaber ausgesetzt und natürlich versuchten die Nazis die Produktion für ihre Zwecke (Herstellung von Kriegsmaterial) zu nutzen. Für Interessierte, die sich mit der Geschichte der Gruben und Buchtals selbst tiefgehender befassen wollen, sei auf die Buchtal Chronik Band I verwiesen, die in vielen Schmidgadener Haushalten in den Bücherregalen steht. Zusammenfassend kann man feststellen, die Tonvorkommen in den Buchtaler und Hartenrichter Gruben, in der engeren Umgebung auch die Grube Frotzersricht, waren über lange Jahre die Rohstoffbasis für alle Buchtal Produkte. Viele Schmidgadener Bürger fanden Beschäftigung in den Gruben. Die körperlich schwere Arbeit des Tonstechens verlangte den Menschen viel Mühe und Schweiß ab, wie die folgenden Bilder dokumentieren.

Die Flussspatzeit: - Grube „Hermine“
Die Grube „Hermine“ soll hier stellvertretend für die anderen Flussspat-Gruben besonders Erwähnung finden, da für die „Hermine“ und anderen Gruben im „Lissenthaner“ Gebiet von den heutigen Besitzern, der Familie Wisneth, Informationen zur Verfügung gestellt wurden.
Chronik der Neuzeit:
1942 Die Fa. VFG (Vereinigte Flussspatgruben GmbH Nabburg) erwirbt Abbaurechte am Nebelberg bei Lissenthan.
1942 - 1943 Ein Holz-Förderturm wird errichtet und der Schacht auf 120 m abgeteuft
1955 Schacht wird auf 150 m Teufe verlängert
1966 Schacht wird auf 210 m Teufe verlängert
1976 Der Holz-Förderturm aus dem Jahr 1943 wird durch Blitzeinschlag zerstört und durch einen Stahl-Förderturm ersetzt
1978 Schacht wird auf 270 m Teufe verlängert
1987 Letzte Schicht am 27.05.1987
Insgesamt stehen für die „Hermine“ 1.666.000 t Rohförderung zu Buche.

Allgemeines zum Gebiet „Lissenthan“
1953 war das Spitzenjahr im Bereich Lissenthan. Es waren bis zu 100 Arbeitnehmer im Bergbau beschäftigt, davon 70 Leute auf der „Hermine“, der Rest auf „Giesela“ und „Helene“. Die Flussspatförderung kam im Wesentlich von den Bergwerken „Hermine“ und „Gisela“, kleinere Mengen lieferten die Betriebe Gustav 1 und Helene (Etzelhof). Insgesamt wurden ca. 530.000 t Flussspat gewonnen.
Fast 100 Jahre lang war das betriebliche Geschehen sehr bunt hinsichtlich der hier tätigen Personen und Firmen. Es wurde relativ viel gesucht (12 Örtlichkeiten) und doch nur an wenigen Plätzen (Hermine und Gisela) gewinnbare Substanz gefunden. Das Nabburger Flussspatrevier erbrachte in seinem Spitzenjahr 1953 10% der gesamten Weltproduktion an Flussspat, der Bereich Lissenthan („Hermine“) partizipierte davon mit ca. 20%, d.h. immerhin mit 2% an der seinerzeitigen Weltproduktion. Das bereits erwähnte „Venetianer-Berkwerk“ liegt in der Gemarkung Lissenthan, Nebelberg, bei der Grube „Hermine“. Die Anlage aus der Zeit um 1500 weist eien Schachtiefe von 43 m auf. Es wurde nach Silber gesucht. Sämtliche Arbeiten wurden noch mit Schlägel und Eisen / Hammer und Meißel) ausgeführt, sehr mühselig in dem harten Granit.
Quelle: Helga Wisneth

Hinweis zu den Flussspat-Gruben:
Wer sich für das Thema Flussspat-Gruben interessiert, findet im Internet umfangreiche Informationen und Daten unter:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon

Anmerkungen
Der vorliegende Bericht soll einen Eindruck über die Geschichte des Bergbaus, seine Bedeutung für die Wirtschaft und über die beteiligten Menschen aus unserer Heimatgemeinde Schmidgaden vermitteln. Die Dokumentation lässt erkennen unter welch schwierigen Bedingungen und mit welch einfachen Mitteln die Arbeit in den Gruben geleistet werden musste. Nach einer mehr als 70 Jahre währenden Phase ohne Krieg und ständig wachsenden Wohlstand im eigenen Land sollten unsere Generation und die „Jungen“ ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche schweren Zeiten (zwei Weltkriege, Nachkriegszeiten, Wirtschaftskrisen) unsere Vorfahren in dieser Epoche durchstehen mussten. Der Autor erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Anregungen, Berichtungen, ggfs. Ergänzungen werden gerne entgegengenommen. Vielen Dank an Irene Neidl, Anneliese Neidl, Helga Wisneth und Rudolf Deml für die Mitarbeit und Bereitstellung von Informationsmaterial.

Quellen:
Buchtal-Chronik Band I: Vorgeschichte und die Zeit von der Gründung bis Ende 1955
Gemeinde Stulln Archiv: Stullner Grubengeschichte
Rudolf Deml: Buchtal Archiv (Fotos)
Irene Neidl: Private Fotos und Texte
Annelies Neidl: Recherche Grube Hermine (Text Helga Wisneth)
Adrian Lang: Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf 26./27. Band 2015/2016

 

Den gesamten Text mit Bildern finden Sie hier.

Chronologie von Schmidgaden im Mittelalter von 1100 – 1300

Chronologie von Schmidgaden im Mittelalter von 1100 – 1300 (540,2 KiB)