Kirche in Rottendorf - St. Andreas

Rottendorf ist eine der ältesten Pfarreien der Diözese und war immer selbständig. Ihre Grenzen sind nicht immer gleich gewesen. Als Gösselsdorf noch eine selbständige Pfarrei war, gehörten zu Rottendorf zwei Filialen: Trisching und Etsdorf.

 

Die zu den Pfarrgründen gehörenden Wiesen heißen „Frühmeß“. Das Frühmeßhaus stand an der Stelle des heutigen Wirtsstadels. 1500 war die Pfarrei Patronalspfarrei des Bischofs von Regensburg; der Pfalzgraf aber besaß das Patronatsrecht über das Frühmeß-Benefizium, das er gestiftet hatte.  

 

1690 wurde durch Generalvikar Albrecht Graf von Wartenberg zu Ehren St. Andrae der Hochaltar der Pfarrkirche geweiht. 1696 wurde ein Kooperator bewilligt. Im Jahre 1716 begannen die Etsdorfer einen lang andauernden Streit mit der Pfarrei Rottendorf, weil sie aus der Pfarrei austreten und in eine andere eintreten wollten. Sie wurden abgewiesen.1728 wurden Schmidgaden und Trisching von der Pfarrei Rottendorf getrennt, so dass von diesem Jahre an der Pfarreisprengel den jetzigen Umfang (jedoch noch mit Schleißdorf) hatte. Gösselsdorf wurde Filialkirche. Um diese Zeit wurde in Rottendorf gefirmt.
 

1737 ist von einem Amberger Orgelbauer die Orgel aufgestellt worden. 1748 wurden in der Pfarrkirche und in den Filialkirchen die Kreuzwege errichtet. Der Turm der Pfarrkirche war ursprünglich im Romanischen Stil erbaut, wie uns die unteren Rundbogenfenster noch erkennen lassen. Er ist 26 Meter hoch. Der auf dem Turmspitze befindliche Hahn misst eine Höhe von 60 cm. Das Zifferblatt der Turmuhr hat eine Fläche von 1,20 m². Die einzelnen Glocken wiegen 1350 kg, 450 kg, 300 kg, 200 kg. 

 

Gotischen Stil mit Spitzbogenfensterchen zeigt der mittlere Turm. 1760 erfuhr die Kirche den dritten Umbau und wurde nun im Baustil dieser Zeit, im formen- , bewegungs- und schmuckreichen Barock geschaffen. Vor etwa 200 Jahren schuf die Augsburger Malerschule, die auch in Italien und Frank- reich beachtliche Aufträge ausführte, in der Kirche zu Rottendorf ein Meisterwerk stilreinen Barocks. Die seitlichen Deckengemälde stellen Bilder aus dem Leben, Leiden, Wirken und Sterben der Kirchenpatrons St. Andreas dar, in medaillenförmige Umrahmungen eingeschlossen. Das Deckengemälde über dem Hochaltar zeigt Rottendorf zu Zeit der Pest (1625), hilfeflehende Gläubige uns St. Andreas mit dem Andreaskreuz. Die zwei großen Deckengemälde im Kirchenschiff zeigen den „Reichen Fischfang“ und die Illustration der Pharisäerfrage an Johannes, ob er der Messias sei. Die kleineren, seitlichen Bilder sind symbolisierte Psalmen. Ein Meisterwerk der Malkunst sind die marmordarstellenden Säulen des Kirchenschiffs.

 

Altäre, Statuen, Bilder und Zierformen: alles ist Ausdruck des schmuck- , formen – und bewegungsreichen Barock, der Kunstrichtung des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1900 wurden die Gemälde, um den Farben neuen Glanz zu geben, mit Ochsengalle gestrichen. Nach Jahren aber entstand daran ein dicker Schimmel und die Bilder verblassten fast vollends.

 

1925 wurde der Regensburger Kirchenmaler Beckl beauftragt, den Schaden zu beheben. Er schickte nach Besichtigung einen Gesellen, der die Renovierung der unter Denkmalschutz stehenden Kirche mustergültig vollzog. Er arbeitete im ganzen Monat Juni von 04.00 morgens bis in den späten Abend hinein und erhielt dafür 600 Mark. Für das von ihm an der Stirnseite der Empore geschaffene Bild „König David mit Harfe“ wurde er zum Meister gesprochen und erhielt als solcher anschließend in Regensburg für einen Auftrag von acht Tagen 3000 Mark. Er war Vater von zwölf Kindern. Das Kajetanbild des rechten Seitenaltars wurde später zu Ehren des Flur- und Viehbeschützers angebracht und ist als einziges nicht barock. Der Zierrahmen des „Wies“-Schreins trägt die Merkmale des späteren Empire-Stils.

 

  

In den Jahren 1762 – 1784 wirkte Georg Peter Ströhl als Pfarrer in Rottendorf. Er hat sich um Bau und Ausstattung der Kirche sehr verdient gemacht. Am Turm der Kirche kann man deutlich die verschiedenen Baustile ablesen. Ursprünglich im romanischen Stil erbaut, erfuhr sie zur Zeit der Gotik einen Um- oder Anbau. 1760 erfolgte ein weiterer Umbau, und die Kirche wurde nun im Baustil jener Zeit, im formen- und schmuckreichen Barock gestaltet.

 

1872 und 1874 wurden zwei Pfarreikinder zu Priestern geweiht: Bartholomäus Kiener, Wirtssohn von Wolfsbach, und Johann Baptist Lehner, Sohn des Maurers Lehner von Rottendorf.

 

1872 wurde der neue Pfarrhof gebaut. 1953 wurde der Landwirtssohn Andreas Schmidbauer, der dem Orden der Passionisten angehörte, zum Priester geweiht und feierte anschließend in seiner Heimatkirche Rottendorf die Primiz. Außenverputz, Dach und Kirchenmauer der Kirche wurden 1954 erneuert.

 

Am 08. Mai 1955 trat Herr Pfarrer Kastner in den Ruhestand und verzog nach Nabburg. Sein Nachfolger wurde Herr Pfarrer Georg Bauer aus Kirchaitnach. Von den drei Kirchenglocken wurde die mittlere, sechs Zentner schwere Glocke wegen eines Riss-Schadens im Winter 1958 umgeschmolzen. Sie trägt die Inschrift „Königin des Friedens“ und wurde in Regensburg gegossen.

 

Von 1960 an bis 1980 erfolgten unter Pfarrer Alois Graßer umfassende Renovierungsarbeiten und Neugestaltungen an der Kirche. Mehr als 700 000 DM wurden in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit aufgebracht und in die Kirche, den Karner und den Friedhof investiert.

 

1963 erfolgte der Bau eines Leichenhauses und der Friedhof wurde erweitert. Im Jahr 1966 hat sich die Kirchenverwaltung mit Hilfe der Gemeinde Rottendorf eine Kirchenuhr angeschafft.

 

 

Kirchenrenovierung

Ein hohes Baugerüst prägte 2003 das äußere Erscheinungsbild der Pfarrkirche Sankt Andreas in Rottendorf. Mehrere Firmen waren unter der technischen Leitung von Architekt Kraus aus Nabburg bemüht, die umfangreichen und auf den ersten Blick nur teilweise sichtbaren Schäden am Gotteshaus zu beheben. Die Kosten für die Renovierungsarbeiten wurden auf eine knappe halbe Million Mark berechnet. Hauptarbeiten sind eine teilweise Auswechslung des abgefaulten Dachstuhl im Kirchenschiff und im Turm, eine komplette Neueindeckung des Turms mit sturmsicherer Verklammerung, Instandsetzung der schadhaften Kirchenmauer, Erneuerung des Außenputzes auf zirka drei Meter Höhe am gesamten Gebäude mit anschließendem Neuanstrich sowie die Erneuerung der Mauer und des Treppenaufgangs zum Friedhof. Alle Arbeiten waren ausgeschrieben worden. Folgende Firmen erhielten als Billigstbieter den Zuschlag: Baumeisterarbeiten Fa. Hösl Pfreimd, Gerüstarbeiten Wackersdorfer Gerüstbau, Zimmerer und Dachdeckerarbeiten Fa. Meier Schmidgaden, Spenglerarbeiten Fa. Piehler Freudenberg, Blitzschutzanlage Fa. Schmelmer St. Englmar, Malerarbeiten Fa. Grün- wald Hirschau, Natursteine Fa. Doreth Neustadt am Kulm, Zifferblätter Fa. Rauscher Regensburg, Holzschutz Fa. Binker Schwaig.

 

Karnerrenovierung

In den sechziger Jahren war der Karner neu eingedeckt worden. Wegen eines fehlenden Ringankers konnte das Mauerwerk im Laufe der Jahre das größere Gewicht nicht mehr tragen, bekam Risse und drohte einzustürzen. Bei einer umfassenden Renovierung 1994/95 unter Bauleitung von Dipl. Ing. R. Schmidbauer wurden alle Schäden beseitigt und das Dach mit Biber in Runddeckweise eingedeckt. Gleichzeitig wurde die gotische Pieta aus Sandstein, die im Laufe der Jahrhunderte durch Witterungseinflüsse stark gelitten hatte, durch Restaurator Muth aus Bamberg in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt und alle fehlenden oder schadhaften Stellen in Sandstein ergänzt.