Leben

Wolfsbach, 450 m ü. NN

68 Kapelle in WolfsbachMit einem Festgottesdienst und einem Dorffest feierte die Dorfgemeinschaft Wolfsbach in September 1994 den Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Dorfkapelle nach dem Brand im Juli 1992 beim Nachbaranwesen und die Neusegnung durch Pfarrer Stefan Hirblinger. Bei dem Brand wurde der Dachstuhl, der Glockenturm und das Deckengewölbe in Mitleidenschaft gezogen. Auch der Altar hat stark gelitten. Der Fußboden wurde mit Solnhofer Platten verlegt und eine mit Schnitzereien versehene Holztüre wurde eingebaut. Die Kapelle ist der Hl. Marta geweiht.

Durch den Anschluss an die zentrale Wasserversorgung der "Brudersdorfer Gruppe" und eine begrenzte Ortssanierung in den neunziger Jahren sind die Wohnbedingungen in der Ortschaft wesentlich verbessert worden.

 

Am Ortseingang von Wolfsbach (aus Richtung Gösselsdorf kommend) steht eine als Naturdenkmal deklarierte Linde. Diese ist seit 27.10.1964 unter Schutz gestellt.

Über Wolfsbach sind nur wenige Einzelheiten bekannt. Die Ortsgeschichte muss mit der von Rottendorf und Gösselsdorf in Verbindung gebracht werden. Wolfsbach liegt unmittelbar an der Nordwestgrenze des Landkreises Schwandorf. In den 17 Bauernhöfen leben knapp 80 Einwohner. Urkundlich wurde Wolfsbach erstmals 1119 erwähnt. Uvignandus de Wolfesbach war damals Herr auf einem Rittergut.
Die heutige Kapelle wurde im Jahre 1948 nach dem Abriss ihrer Vorgängerin neu gebaut. Der Altar stammt aus der Kirche von Etsdorf. Das Altarbild zeigt die beiden Schwestern des Lazarus, Maria und Marta aus Bethanien. Eigentümerin der Kapelle ist die Dorfgemeinschaft Wolfsbach. Im Jahr 1981 wurde ein elektrisches Läutwerk eingebaut. Bis dahin haben die Familien im Wechsel täglich am Morgen und am Abend das Angelusläuten durchgeführt. Unter der Leitung des damaligen Pfarrers Alois Graßer
 wurden an der Kapelle 1986 Verbesserungen durchgeführt. Dabei wurde der Altar renoviert, ein neuer Altartisch aufgestellt und das Dach und die Fenster erneuert

Littenhof, 511 m ü. NN

66 Kapelle in LittenhofLeider ist von der Ortsgeschichte sehr wenig über Littenhof überliefert. Eines steht jedoch fest: Littenhof war 1271 eine Besitzung des Grafen Schloßberg.

Littenhof gehörte bis zur Gebietsreform zur Gemeinde Rottendorf, heute zur Gemeinde Schmidgaden.  Die kleine Ortschaft gehört zur Pfarrei und zum Schulsprengel Rottendorf.  Der 13. Mai 1979 war ein großer Tag für die Ortschaft Littenhof. Pfarrer Alois Graßerweihte im Auftrag von Bischof Rudolf Graber die von der Familie Pösl erbaute neue Kapelle. Das schöne Bauwerk ist der Mutter Gottes geweiht. Eine große Statue der Hl. Maria mit dem Jesusknaben auf dem Arm bildet den Mittelpunkt des Innenraums. Die Malereien zeigen den Pfarrort Rottendorf und seine ländliche Umgebung und stammen von Oberlehrer Karl Denk aus Schwarzenfeld. Die Glocke wurde in Passau gegossen und ist den heiligen Schutzengeln geweiht. 

 

In den neunziger Jahren wurde Littenhof mit großen finanziellem Aufwand an die zentrale Wasserversorgung der Brudersdorfer Gruppe in Rottendorf angeschlossen.

Hohersdorf, 425 m ü. NN

97 Hohersdorf

Über die Ortsgeschichte ist wenig bekannt. Man muss sie mit dem größeren Ort Rottendorf in Verbindung bringen.

Hohersdorf ist schön in die Landschaft eingebettet. Das kleine Dorf  besteht ausschließlich aus bäuerlichen Anwesen. Erst in neuerer Zeit wurden einige neue Häuser gebaut und die Ortschaft an die Kläranlage Rottendorf angeschlossen

Hartenricht, 420 m ü. NN

96 Ein Wahrzeichen von Hartenricht, die KapelleLeicht zu deuten ist der Name von Hartenricht. Er stammt nämlich von dem Wörtchen "Hardt" und bedeutet nichts anderes als Bergwald. Die Nachsilbe "richt" ist eine alte Rodungsbezeichnung. Es haben hier also Bauern einen Bergwald gerodet, um Ackerland zu gewinnen. Die Lage der Ortschaft deutet auch darauf hin. Hartenricht muss mit seiner Geschichte stark mit der von Schmidgaden in Verbindung gebracht werden. Der Ort liegt unmittelbar in der Nähe der früher unter den Namen "Buchtal" bekannten Keramikfirma .

Gösselsdorf, 453 m ü. NN

Die ehemalige Gemeinde Gösselsdorf setzte sich aus den Ortschaften Gösselsdorf, Badhaus, Götzendorf, Inzendorf, Kadermühle, Legendorf, Scharlmühle und Windpaißing zusammen.
92 Gösselsdorf mit St.-Martins-KircheDie ältesten Ortschaften reichen bis in das 11./12. Jahrhundert zurück. Inzendorf und Gösselsdorf waren einstmals Rittergüter. Urkundlich werden erstmals genannt Udo de Inzesdorf 1136 und Rempate de Gozendorf 1147. Im Jahre 1166 hören wir von einer Schenkung zu Windpaißing, das ihr Gemahl an das Kloster in Ensdorf übereignet hatte, noch ein Gut hinzu. - In Legendorf erwarb 1389 ebenfalls das Kloster Ensdorf ein Gut. Am 24. Juli 1476 verkaufte Pinhaus zu Ehenfeld seinen Hof zu Legendorf, auf dem Hans Pesolt saß, an das Gotteshaus zu Wölsendorf. - In Götzendorf soll einstmals auch ein Schloss gestanden haben. Es fiel dem 30-jährigen Krieg zum Opfer. So schreibt im Jahre 1845 der damalige Pfarrer Senft von Rottendorf in seiner Beschreibung der Pfarrei: "Neben den Stallungen des Bauern Ram allda stößt man in einem Wiesengrunde öfters auf massive Mauern, und der Sage nach soll hier in den Vorzeiten ein Schloss gestanden haben!" 


Bis zum Dreißigjährigen Krieg ist die Geschichte von Gösselsdorf eng mit den Schloßherrn verknüpft, den Moshaimern von Inkofen. Sie hatten auch das Patronatsrecht (= Würde und Amt eines Schutzherrn mit Vorschlags- oder Ernennungsrecht und Unterhaltspflicht für die Pfarrstelle) über die Pfarrei. Die gotisch angelegte Kirche ist ohne Zweifel von ihnen gebaut. Die Ähnlichkeit mit Mitterauerbach, wo dieses Geschlecht gleichfalls das Patronat hatte, fällt sofort auf. Gösselsdorf war somit eine Adelspfarrei, während Rottendorf Patronatspfarrei des Bischofs von Regensburg war und über Schmidgaden der Landesherr das Patronatsrecht hatte.

Während des gesamten Mittelalters war Gösselsdorf eigenständige Pfarrei und wird in sämtlichen Pfarreiverzeichnissen des Dekanats aufgeführt. Papst Gregor wollte Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts Kreuzzüge ausrüsten und finanzieren. Dazu mussten Geistliche den zehnten Teil ihres Einkommens hergeben, das zu diesem Zwecke geschätzt wurde. Deshalb wurden 1286 und 1326 zwei Verzeichnisse des Dekanats Schwandorf an- gelegt. Gösselsdorf (Getzlingsdorf, Geßleinsdorf) wird dabei mit 1 M geschätzt (gemeint sind römische Silberfeinmark). Das Schätzergebnis weist auf eine unterste Pfarreigröße hin. Auch im Verzeichnis nach den Paulsdorfer Lehensbüchern aus dem Jahre 1423 ist Geselstorf aufgeführt, ebenso in der Matrikel vom Jahre 1433 als Geßelstorf cum Plebano (Dorfpfarrer). Die Moshaimer waren, wie bereits angedeutet, bis zur völligen Zerstörung des Schlosses im Dreißigjährigen Krieg die Patronatsherren in Gösselsdorf. Der bekannte Nabburger Heimatforscher Hauptlehrer Haller hat zusammen mit Prof. Dr. Simbeck folgendes über die Besetzung der Pfarrei Gösselsdorf ermittelt: "Am 02. Mai 1495 setzte Jörg Moshaimer J. Konrad Paudler auf Gösselsdorf ein. Am 12. August 1497 tauschte im Einverständnis des Erasm. Moshaimer von Smalenstein Konrad Paudler seine Pfründe mit Hans Pondorfer, Frühmesser zu s. Johann in Regensburg. Am 09. Juni 1505 präsentierte Erasm. Moshaymer zum Schmalenstein dem Bischof Ruprecht den Priester Andre Kirchmaier auf die durch Abgang des Herrn Hans Talmassinger verwaiste Pfarrei Gösselsdorf. Nach dessen Ableben setzte Asm. M. zum Schmalnstein am 01. Juni 1507 Leonhard Paemler als Priester ein. Nach der Resignation dieses Geistlichen präsentierte am 21. November 1521 Eraßm. Moshaimer dem Pfalzgrafen Johann, Administrator (= Verwalter) des Stiftes Regensburg, Herrn Pangratz Grüner".

94 GösselsdorfWährend der Reformation wechselten viele Pfarreien ihren Glauben und traten zu anderen Religionsgemeinschaften über. Dies war auch in Gösselsdorf der Fall. Pfarrer Matth. Senft schreibt: "Zur Zeit der Reformation verließ der größte Teil der Pfarrangehörigen (der Sage nach) ihren alten Glauben und hingen der Lehre Calvins an, und sowohl zu Rottendorf als zu Etsdorf und Gösselsdorf waren kalvinistische Pfarrer, und eine Urkunde in hiesiger Pfarr-Registratur vom 20. ten Jänner 1719 bemerkt ausdrücklich, dass zu kalvinischen Zeiten in Etsdorf ein kalvinischer Pfarrer war, welcher zugleich seines Handwerks ein Sattler gewesen, so wie dem Gerüchte nach der kalvinische Pfarrer zu Gösselsdorf seines Handwerks ein Schuster und Musikant gewesen sein soll (wahrscheinlich wegen Ermangelung der Congura = Einkünfte)".

Auf diesen Glaubenswechsel ist, der mündlichen Überlieferung nach, heute noch eine Besonderheit zurückzuführen, die jedem Fremden beim Besuch des Gottesdienstes in Gösselsdorf sofort auffällt: Im Gegensatz zu fast allen anderen Kirchen knien und beten in Gösselsdorf die Frauen auf der rechten und die Männer auf der linken Seite. Dies soll bis zur Reformation zurückgehen. Jedenfalls erzählt der Volksmund, dass die Person, die als erste nach dem Glaubenswechsel wieder zum Katholizismus zurückfand und das Gotteshaus besuchte, den Ehrenplatz unter der Kanzel erhielt. Nach ihr richtete sich dann die gesamte Ordnung in der Kirche. Die Echtheit dieser Deutung ist aber nicht verbürgt.   . .

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gösselsdorf nahezu völlig zerstört. Nur die Kirche und ein Gesindehaus des Schlosses blieben verschont. Auch das sagenumwobene Wetterdorf auf dem Wetterberg wurde von den Schweden dem Erdboden gleich gemacht. Im Volk geht noch heute die Sage um, dass auf dem Wetterberg eine Glocke des Wetterdorfes vergraben sei.

Vom Gösselsdorfer Schloss, es stand zwischen Kirche und Gresserhof (heute Gschrey), sind nur noch ein mit dem Schlosswappen verzierter Stein, heute in die Frontseite der Kirche gemauert, und ein eisenbeschlagenes Schlosstor, nun als Kirchentor verwendet, erhalten.. -.  . . .

Nach den Moshaimern ging das Präsentationsrecht auf den Kurfürsten über, wie aus der Matrikel der Diözese Regensburg von 1916 zu ersehen ist. Im Jahre 1724 erscheint Gösselsdorf erstmals als Filiale von Rottendorf. Der Pfarrhof wurde erst im Jahre 1836 mit hoher Regierungs- und Ordinariatsgenehmigung an einen Bauer um 1606 fl (= Gulden) verkauft. Heute erinnert nur noch der Hausname "Pfarrerbauer" an die ehemalige selbständige Pfarrei.

Vor über 200 Jahren besaß Gösselsdorf auch eine eigene Schule. Schulhaus war das heutige Paßler-Anwesen. Der Mesner war gleichzeitig auch der Lehrer. Ab wann in Gösselsdorf unterrichtet wurde, konnte nicht genau ermittelt werden. Jedenfalls wenden sich die Bewohner von Gösselsdorf und Götzendorf im Jahre 1808 in einem Schreiben an die "Königlich Bayerische Landes-Direktion der oberen Pfalz" und beschweren sich. Wörtlich heißt es: " Die Filialschule Gösselsdorf gehört zur Pfarrei Rottendorf und obschon wir Dorfbewohner zu Gösselsdorf und Götzendorf keinen regulären Schullehrer, sondern nur einen Mesner haben, welcher nur zuweilen eine Winkelschule hält, so hat uns doch das Königl. Landgericht Nabburg den Auftrag erteilt, fünf Klafter Schulholz anzuliefern."  Im weiteren Schreiben bitten die Eltern die Behörde, ihre Kinder in die nur 1/2 Stunde entfernte Pfarrschule nach Rottendorf schicken zu dürfen, weil der Mesner "... eine verbotene Winkelschule hält, höchstens die Kinder im ABC unterrichtet und über diese Wissenschafts-Linie sich seine Kenntnisse nicht erstreckten." Auf diese Anschuldigungen hin wurde die Behörde sofort aktiv. Sie forderte den Lehrer in Gösselsdorf auf, sich zu legitimieren und nachzuweisen, welchen Prüfungen er sich unterzogen habe und sein Anstellungsattest beizubringen. Diese Überprüfung erbrachte offensichtlich ein positives Ergebnis, und so wurde der Mesner und Schullehrer Leonhard Paßler im Amte belassen und die Behörde verfügte 1809: Die Nebenschule in Gösselsdorf wird als Vorbereitungsschule belassen für die kleinen Kinder (Anmerkung ca. 15 Kinder), bis diese hinlänglich erwachsen und imstande sind, die Pfarrschule in Rottendorf zu besuchen. Die Bemühungen der Gösselsdorfer wurden erst 30 Jahre später von Erfolg gekrönt. Im Jahre 1839 wurde die Schule in Gösselsdorf aufgehoben und mit der Schule Rottendorf vereinigt. Gösselsdorf zählte damals 14 Häuser, 19 Familien und 88 Seelen.

95 Gösselsdorf aus der LuftZurück zur Gemeinde: Sie hatte es in dem knapp über 100jährigen Bestehen nicht immer leicht, die anfallenden Probleme zu lösen, waren doch in der reinen Landgemeinde die Einnahmen gering. Zudem gehörte das Gemeindegebiet zu drei Pfarreien (Rottendorf, Kemnath am Buchberg und Nabburg) wie auch zu drei Schulbezirken. Dennoch wurden schon frühzeitig die für die Bevölkerung notwendigen Gemeinschaftseinrichtungen geschaffen. 1923 wurde die Gemeinde an das Stromnetz angeschlossen und das elektrische Licht löste die bis dahin benützten Petroleumlampen ab. 1924 wurde mit großem finanziellem Aufwand eine erste zentrale Wasserversorgung für Gösselsdorf geschaffen, an die aber noch nicht alle Anwesen angeschlossen waren. Auch auf den Straßenbau wurde schon frühzeitig Wert gelegt. 1926/27 wurde die Verbindung zwischen Kadermühle und Gemeindegrenze gegen Rottendorf ausgebaut. Die großen Leistungen auf dem Straßenbau beginnen freilich erst zu Beginn der Sechziger Jahre. Nun freilich in solch beschleunigtem Tempo, dass bis 1972 sämtliche Verbindungsstraßen ausgebaut, ja sogar jeder Hof der gesamten Gemeinde an das Teerstraßennetz an- geschlossen war. Alle Maßnahmen einzeln aufzuführen, würden den Rahmen an dieser Stelle jedoch sprengen.

Wie bereits angedeutet, fehlte es in der Gemeinde an Industrie. Einzige Ausnahme: In den Jahren um 1880 wurde in Windpaißing ein Granitsteinbruch eröffnet mit Namen Kulm Blauberg. Zirka 200 Mann aus der näheren und weiteren Umgebung fanden dort Arbeit. Hauptsächlich wurde Großpflaster hergestellt. Die Würfelsteine wurden mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Nabburg befördert und von dort in alle Himmelsrichtungen verschickt. 1889 wurde das heute noch bestehende und dem Fremdenverkehrsverkehr dienende Gasthaus "Kulm" als Kantine für die Arbeiter im Steinbruch erbaut.

Eine schwere Zeit kam für die Gemeinde nach dem 2. Weltkrieg. 1946 wurde durch Verfügung der Militärregierung die Gemeinde aufgelöst und die einzelnen Gemeindeanteile an folgende Gemeinden angeschlossen: Gösselsdorf und Inzendorf an Rottendorf, Legendorf und Windpaißing an Brudersdorf und Götzendorf an Kemnath am Buchberg. Nach zwei Jahren war es der Bürgerschaft freigestellt, sich wider zur Gemeinde Gösselsdorf zusammen zu schließen. Dies ist dann geschehen.

Einen weiteren wichtigen Schritt nach vorn zur Versorgung und Sicherung der Bürgerschaft bedeutete 1965 der Anschluss an den Zweckverband zur Wasserversorgung der Brudersdorfer Gruppe.

Der 01. Januar 1972 war für die Gemeinde ein bedeutungsvoller Tag. Da im Zuge der Gebietsreform der Gemeinderat für eine eigenständige Gemein- de keine gesicherte Zukunft mehr sah, hatte er die Auflösung der reinen Landgemeinde beschlossen. Erneut und wahrscheinlich für immer wurde die gewachsene Gemeinschaft zerrissen und an drei verschiedene Gemeinden angeschlossen: die Ortschaft Gösselsdorf, Inzendorf mit Kadermühle und Legendorf an die Großgemeinde Schmidgaden, Windpaißing und Kulm an die Stadt Nabburg und Götzendorf an Kemnath am Buchberg. Somit endete die Selbständigkeit eines bis dahin völlig intakten und gesunden Gemeinwesens, für dessen Fortentwicklung Generationen von Bürgern mit allen Kräften tätig waren und die dabei unter der Führung ihrer Bürgermeister oft Erstaunliches geleistet haben. Zum Schluss die Namen der in der Gemeinde Gösselsdorf tätig gewesenen Bürgermeister als Repräsentanten einer nun für immer dahingewesenen Zeit:

Der erste Bürgermeister von Gösselsdorf war H. Schrott aus Inzendorf ab 1867, dem Anton Butz von Windpaißing folgte. Ab 1880 hatte Matthias Schmidbauer dieses Amt inne, ab 1905 Georg Ott von Legendorf, anschließend Adam Ries, Gösselsdorf, gefolgt von Josef Scheuerer aus Gösselsdorf. Ab 1945 war Xaver Ries, ab 1948 Johann Butz Gemeindeoberhaupt. Letzter Bürgermeister bis zur Gemeindeauflösung 1972 war Andreas Kräuter, dem an dieser Stelle ein besonderer Dank gesagt werden muss für die Erstellung der Gemeindechronik von Gösselsdorf und die vielen mündlichen Auskünfte, welche die Grundlage für diesen geschichtlichen Beitrag lieferten.

Josef Böhm - aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der FFW Gösselsdorf
 

Die früheren Bürgermeister der Gemeinde Gösselsdorf

H. Schrott aus Inzendorf (ab 1867 bis unbekannt), Anton Butz aus Windpaißing (von unbekannt bis 1879), Matthias Schmidbauer (1880 bis 1905), Georg Ott aus Legendorf (ab 1905), Adam Ries (unbekannte Amtsdauer), Josef Scheuerer (ab 1945), Xaver Ries (im gleichen Jahr 1945 bis 1948), Johann Butz (1948 bis vermutlich 31.12.1964), Andreas Kräuter (01. Januar 1965 bis 31.12.1971)

 

Rottendorf, 452 m ü. NN

Das schönste Dorf der Oberpfalz im Jahr 1980 präsentiert sich auch heute noch in seiner Schönheit. Das Dorf hat bis in unsere Zeit den ländlichen Charakter bewahrt. Um die Zeit der Gründung der Landeshauptstadt München (früher Mönichen im Jahre 1158), nennt uns das Jahr 1147 einen Hermanus de Ratendorf als Eigentümer des Feudalsitzes (man kann öfter Ratendorf oder Raittendorf lesen). Rottendorf ist eine der ältesten Pfarreien der Oberpfalz und war als solche immer selbständig und wird in den älteren Matrikeln zu Regensburg erwähnt. Von den neun Höfen mussten acht den Zehent nach Amberg entrichten, einer an die eigene Pfarrei. Sehenswert ist die renovierte St.-Andreas-Kirche und der Karner.
86 Ansicht RottendorfNachfolgend wird die Geschichte des Ortes Rottendorf wiedergegeben. Als Vorlage diente auch eine alte Aufzeichnung. Diese Aufzeichnung reicht bis zum März 1959.
 

In nun mehr weiter Ferne liegt die Zeit, in der Rottendorf seinen Anfang nahm. Wenn auch das Gründungsjahr nicht genau bekannt ist, so steht doch fest, dass der Bau des Karners bis in das 9. Jahrhundert zurückreicht. Die Aussenmauern sind mit einer Stärke von 1,20 m mächtig und von erstaunlicher Haltbarkeit. Sieben Jahre musste – wie aus der auf Archivschriften aufgebauten Chronik hervorgeht – der Baukalk alt sein. Witterungseinflüsse haben daher dem Mauerwerk und dem Spitzdach im Wandel der Jahrhunderte keine wesentlichen Schäden zuzufügen vermocht. Der Name Karner kommt vom lateinischen „carnarium“ und bedeutet nichts anderes als „Beinhaus“ (Aufbewahrung der Knochen der Verstorbenen). Das Obergeschoss, ursprünglich eine Gedächtniskapelle, in der Messen für die Verstorbenen gelesen werden konnten, hat an der Außenseite eine flache Wölbung nach Osten, anscheinend eine Art Apsis. Im Innern ist zwar keine Nische vorhanden, dennoch kann die Ausbuchtung keinen anderen Zweck als die Aufnahme einer Altarnische gehabt haben. 
Bemerkenswert ist an der Außenwand des Karners eine gotische Pieta aus Sandstein aus dem Jahre 1421 angebracht. Sie ist 60 cm groß, Christus ist liegend auf den knien Mariae dargestellt, die ihr Haupt zum Himmel ergebt. Der Historiker Dr. E. Herrmann nennt den Gesichtsausdruck „Das Vesper- bild zu Rottendorf“, eine der reifsten Leistungen bäuerlicher Gotik. 

In der Diözese Regensburg sind drei derartige Gebäude erhalten, nämlich in Rottendorf, Perschen und Chammünster. 1958 wurde der Karner zu einer Gedenkstätte der Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges umgebaut, mit Gedenktafeln versehen und entsprechend eingerichtet, nachdem das Denkmalamt für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude hierzu die Einwilligung gegeben hatte. Am 12. Oktober 1958 wurde sodann der Karner als Kriegerdenkmal eingeweiht. Im Jahre 1995 wurde die Gedenkstätte am Karner renoviert. Etwa zur gleichen Zeit als der Karner gebaut wurde, soll auch auf dem Gipfel des Grafenberg eine Burg, die sog. Horeburg, gestanden haben. Leider ist darüber sehr wenig zu erfahren. In „Erschliessungsbare Frühgeschichte Nabburgs“ von Dr. R.Busch in Opf. 11/63 ist ein kleiner Hinweis: “Auch die Horeburg auf dem Grafenberg muss dem 9./10. Jahrhundert angehören.“ Unterhalb der Burg sollen Wohnhäuser gestanden haben.  87 "Beckn-Marterl"
In den Verhandlungen des Historischen Vereins S. 260 von 1897 steht ein Aufsatz von J. Plaß über untergegangene Orte in der Oberpfalz. Darin erhält man auch nähere Auskunft über Horeburg. Plaß schreibt, dass man einem gewissen Chuno von Horeburg in vaterländischen Urkunden oft begegne, dass er einem mächtigen Geschlecht entstammen muss, da man ihn auch in Verbindung mit mächtigen Grafenhäusern trifft. Chuno wurde etwa 1070 als Sohn des Grafen Gebhard I. von Sulzbach geboren. Er bekam Horeburg, eine größere Herrschaft, die über Ensdorf hinaus und bis Amberg, Vilseck und Hirschau reichte. Auch die Herrschaft Trisching gehörte dazu. Chuno starb 1139 ohne Nachkommen. Deshalb fiel die Herrschaft Trisching mit Horeburg wieder an den Grafen von Sulzbach.

In den Anfängen bereits war Rottendorf Sitz und Eigentum einer adeligen Familie, also Feudalbesitz. In Bayern regierten damals bereits die Wittelsbacher als Herzöge. Um die Zeit der Gründung der Landeshauptstadt München (früher Mönichen, d.h. bei den Mönchen, im Jahre 1158), nennt uns das Jahr 1147 einen Hermanus de Ratendorf als Eigentümer des Feudalsitzes (man kann öfter Ratendorf oder Raittendorf lesen). Ein Nachkomme, der Leuchtenbergische Vasall (= Lehensmann) Albrecht von Ratendorf, war 1367 mit der gesamten Familie im Besitz nur eines Hofes als Lehensvogtei (heute Zum Kalvarienberg 15, früher Haus Nr. 1 = Anwesen Stich am Südrand des Dorfes). 
Auch die noch heute zum Kirchen- und Schulsprengel gehörenden Ortschaften Wolfsbach, Inzendorf und Gösselsdorf waren einst Rittergüter. Es werden zu der Zeit genannt: Uvignandus de Wolfesbach 1119, Udo de Inzesdorf 1136, Rempate de Gozendorf 1147. Littenhof war 1271 eine Besitzung des Grafen Schloßberg. Das Schloss Gösselsdorf stand zwischen Kirche und Gresserhof. Ein mit dem Schlosswappen verzierter Stein ist heute noch heute zu sehen; ebenso stammt das eisenbeschlagene Kirchentor von diesem im 30jährigen Krieg von den Schweden zerstörte Schloss. Es gehörte dem Geschlechte der Moosheimer.

Rottendorf ist eine der ältesten Pfarreien der Oberpfalz und war als solche immer selbständig und wird in den älteren Matrikeln zu Regensburg erwähnt. Von den neun Höfen mussten acht den Zehent nach Amberg entrichten, einer an die eigene Pfarrei. Näheres über die Entwicklung, Grenzen und Veränderungen des Pfarreisprengels, sowie über die Baugeschichte der Kirche usw. ist im Abschnitt „Kirche“ weiter unten zu lesen. Zur Zeit der Reformation trat die Pfarrgemeinde vorübergehend zum Protestantismus über. 

88 Kapelle am GrafenbergSchwer ist Rottendorf vom 30jährigen Krieg (1618 – 1848) heimgesucht worden. Außer Not, Elend, Krankheit, Sittenverfall und Verrohung, wie ein solcher Krieg mit sich bringt, gab es vielfach grausame Plünderungen. Um diese Zeit gehörte Rottendorf, wie um 1625 fast die ganze Oberpfalz, dem Grafen Murrach. Die Schlösser in Gösselsdorf und Etsdorf sind in diesem Kriege zerstört worden. Das Schloss Gösselsdorf stand zwischen jetziger Kirche und dem Gresserhof (heute Anwesen Gschrey, Gösselsdorf 1), das Schloss Etsdorf am Kohlberg unweit der Kohlmühle.

Die ersten Wellen des 30jährigen Krieges schlugen hier an, als am 12. Oktober 1620, dem Jahre der Schlacht am Weißen Berg bei Prag, das Fähnlein Nabburg, dem „Rottendorf am Heiligen Berg“ angehörte, nach Rötz berufen wurde. Geld zur Soldzahlung war nicht vorhanden, weshalb das Fähnlein nahe daran war, zu meutern. Im April desselben Jahres lagen Engländer des Obristen Ryts – Gray in Nabburg und lebten dort von drückenden (Zwangsabgaben), die sie der Bevölkerung auferlegten. Sie befahlen das Fähnlein Nabburg nach Waidhaus, weil dort das gefürchtete Heer des Niederländers Tilly, Wallensteins Waffengefährten, bedrohlich über den „Wald“ heranrückte.
Das Fähnlein aber erkannte die Lage, fühlte sich von den Engländern „angeführt“ und wollte nicht nach Waidhaus marschieren. Und als sie mussten und endlich dort waren, gingen sie am 10. Mai 1620 durch. Am 07.August zog durch Rottendorf das Amberg-Kasteler Fähnlein und lagerte hier. Und noch im Frühjahr 1621 lagen die Engländer und die Mannsfelder in Nabburg, Inzendorf, Rottendorf und Rötz.
Am 08. Oktober 1621 brach Tilly bei Waidhaus durch und zog am Vormarsch nach Amberg durch Rottendorf. 1625 herrschten Missernte und Pest, 1626 war ein Jahr größter Not und und größten Mangels. Im April und Mai diesen Jahres zogen durch Rottendorf und Nabburg, von Amberg kommend, Teile der bayerischen Regimenter Curtenbach und Pappenheim und lebten hier nach dem Landknechtsbrauch „Der Krieg  muss den Krieg ernähren“.
Auch Franzosen, Spanier und Italiener des Regiments Ferrari zogen durch. Noch nicht von den Wunden des 30jährigen Krieges erholt, wurde 1688 im Oberpfälzischen Erbfolgekrieg zwischen dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm und Ludwig XIV. von Frankreich die ganze Gegend von den Franzosen schwer verwüstet.
Im selben Jahr flatterte die weiß-blaue Fahne neben dem kaiserlichen Adler an Stelle des gesunkenen Halbmondes über Belgrad, hatte Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern die Donaufestung erobert. 1771/72 herrschte furchtbare Teuerung, welche Veranlassung zur Verbreitung des Kartoffelanbaus in Bayern, und so auch in Rottendorf, war. Dann kamen die Nöte der Napoleonischen Zeit. Der „Robespierre zu Pferde“, Napoleon Bonaparte, schickte seinen General Jourdan, der mit seinem Heer aber 1796 bei Sulzbach geschlagen wurde. Er rückte mit dem Rest nach Amberg, wurde dort am 24. und 25. August 1796 abermals geschlagen und zur Flucht genötigt. Seine versprengten Kriegerscharen aber haben überall übel gewirtschaftet. Auch die Kirchen wurden nicht verschont; Raub, Plünderungen und Misshandlungen wurden begangen.

1876 wurde der neue Pfarrhof gebaut, 1910 ein neues Schulhaus. 1876 wurde das Standesamt eingeführt. 1923/24 bekam Rottendorf das elektrische Licht. Im Mai 1945 wurde das Schulhaus durch Kriegseinwirkung zerstört, in den Jahren 1947/48 wiederaufgebaut und am 03.02.1948 bezogen. Näheres über die Schulgeschichte und schulischen Verhältnisse ist im Abschnitt „Schule“ dieser heimatkundlichen Stoffsammlung enthalten.

An Stelle alter, bei schlechtem Wetter fast unbefahrbarer Wege wurde 1956 eine neue gebaute Straße nach Wolfsbach und Hohersdorf, 1958 eine Straße nach Littenhof und die Pflasterstraße durch Rottendorf dem Verkehr eröffnet, eingeweiht und übergeben.  Die Flurbereinigung wurde ab Mitte der Siebziger Jahre durchgeführt und schließlich im Jahr 1995 zu Ende gebracht. Bereits im Jahre 1876 wurde in Rottendorf das Standesamt eingeführt. Wie bereits erwähnt, war die Gemeinde Rottendorf bis zur Zusammenlegung zur Großgemeinde Schmidgaden im Jahre 1972 eigenständig. 1956 wurde beim Anwesen Rothmaier eine Gemeinschaftsfrostanlage angeschafft, um Fleisch und andere Nahrungsmittel darin aufzubewahren. Eine zweite derartige Anlage wurde ab 1959 geplant.
 

Zur Gemeinde Rottendorf gehörten die Ortschaften Rottendorf, Hohersdorf, Wolfsbach, Rödlmhühle, Littenhof und der Weiler Grimmerthal. 


Bürgermeister seit der Zeit um 1876

(1876 Einführung des Standesamtes, wozu auch die Gemeinde Gösselsdorf gehörte) 

Matthias Pröls, Hausnr. 5 (bis 1892), Josef Weikmann Hausnr. 8 (im Dezember 1924), Matthias Pröls, Hausnr. 5 (04. Januar 1925 bis 02. April 1933), Joseph Rothmeier, Hausnr. 7 (25. Mai 1933 bis 31. Juli 1938), Andreas Weikmann, Hausnr. 8 (30. Oktober 1938 bis 08. Juni 1941), An- dreas Weber (28. Januar 1946 bis 08. Dezember 1946), Peter Pröls (08. Dezember 1946 bis 11. Mai 1947), Johann Eckl (03. August 1947 bis 22. Februar 1948), Peter Pröls (06. Juni 1948 bis Dezember 1970), Michael Bischof (09. April 1971 bis 31. Dezember 1971).